Vermischtes

Umgang mit Depression nach 9525

Keine Frage: Der eingeleitete Flugzeugabsturz der Maschine ist tragisch und macht tief traurig. Es gibt auf diese Katastrophe keine Antwort die man den Angehörigen der Angehörigen und Freunden der 150 Opfer geben kann. Konsequenzen müssen gezogen werden. Vorgeschlagen sind die falschen.

Am 24. März leitete der Co Pilot der Germanwingsmaschine Airbus A320-211 mit der Flugnummer 9525 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich einen Absturz bei Le Vernet ein. 150 Menschen starben, darunter eine Schulklasse aus Halter. [Ich werde den Namen des Piloten nicht nennen, schon gar nicht den Nachnamen].

Heute steht fest, dass der Co-Pilot, der dein Absturz einleitete, psychisch erkrankt war. Er war depressiv, hatte Suizidgedanken. Bereits vorher hatte der Co-Pilot solche depressiven Phasen, berichtete 2009 auch der Lufthansa, dass er eine schwere depressive Phase gehabt habe. Als die Informationen über den gesundheitlichen Zustand von dem Co-Piloten an die Öffentlichkeit kamen, erlebten wir eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema psychische Erkrankung und Depression, die seines Gleichen sucht. Sofort wurde Name, Anschrift, Anschrift der Eltern, Familienfotos, Krankenakten usw. der Öffentlichkeit präsentiert. Zeitungen und Zeitschriften titelten bestialisch über den „kaltblütigen Killer“. Es wurden Fragen gestellt, wie ein depressiver Mensch denn Zugang zu einem Cockpit bekommen könnte, wie ein solches Risiko denn eingegangen werden könne. Sofort wurde die 2-Personen-Regel eingeführt, nachdem im Cockpit nie jemand alleine bleiben darf. Über strengere Sicherheitsmaßnahmen und sogar die Lockerung der Schweigepflicht der Ärzte wird momentan laut nachgedacht.

Man versetze sich jetzt in die Lage eines Menschen mit Depressionen…

Nicht nur dass psychisch erkrankte seit Jahren in der Bundesrepublik mit Diskriminierung zu kämpfen haben, nun sind sie Risiken, Gefahrenpotentiale, und neigen dazu „kaltblütige [welche Wortwahl bei einer emotional psychischen Erkrankung] Killer“ zu werden.

Würdet ihr euch Hilfe bei einer Depression holen, wenn ihr wüsstet, dass ihr zukünftig nicht mehr alle Berufe ausüben könntet? Dass euer Arzt an eure Arbeitgeber zukünftig berichten müsste, wie es euch geht, ob von euch ein Risiko ausgehe? Nein. Die Hemmung sich helfen zu lassen wächst und darin besteht die eigentliche Gefahr.

Wir brauchen eine Kultur, in der es kein Makel ist psychisch erkrankt zu sein. In der einem Hilfe angeboten wird. Wir brauchen eine Kultur die psychisch Erkrankte umarmt – nicht wegstößt.

Wir brauchen kürzere Wartezeiten bei stationären Behandlungen von psychisch Erkrankten, eine Depression kann nicht 3 Monate warten. Krankenkassen müssen ihr Leistungsangebot im psychischen Sektor ausweiten und wir müssen mehr barrierefreie Anlaufstellen einrichten. Lasst uns psychisch erkrankte Menschen als Gesellschaft umarmen.

 

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